HJM-Bogenbau
HJM-Bogenbau

Unsere kleine Weihnachtsgeschichte

 

Wir hatten kurz vor Weihnachten mal wieder einen Custom-Bogen verschickt. Werner's Wartezeit war vorbei und er freute sich, dass er sich selbst was unter den Christbaum legen konnte. Er schrieb uns, dass er ihn erst an Heiligabend auspacken wolle und uns dann mitteilen würde, wie es zu dem Bogen gekommen ist und was er ihm so, in dieser Kombination bedeutet.

 

Und dann erhielten wir am 25.12. folgende Mail:

 

Wie ich zu eurem Bogen gekommen bin ...

 

Vor einigen Jahren, ich denke so mindestens fünfzig ist es her, da hatte ich die erste Begnung mit einem Bogen. Es war die Zeit, in der mein Großvater und ich viel gemeinsam unternommen haben. Es war Winter und es lag Schnee. Ich kam aus der Schule und mußte erst einmal in die Werkstatt meines Großvaters.
Mein Großvater fertigte Fassreifen an, auf platt Bannmoker. Diese wurden aus Weide gefertigt und benötigt, um Butterfässer zu beschlagen, denn Eisen vertrug die Butter nicht, dann verdarb sie. Heute ist dieser Beruf schon lange ausgestorben.
Auf dem Ofen lagen wie so oft die Bratäpfel. Es waren die besten Bratäpfel meines Lebens, gegart auf einem alten gußeisernen Ofen - leicht schwarz, heiß und saftig. Gerade als ich einen der heißen Gesellen von einer in die andere Hand warf um ihn zu kühlen, stand mein Großvater auf und holte hinter seiner Werkbank einen gebogenen Stock, mit der Bemerkung, ich sehe doch so gern Indianerfilme, hervor. Klar erkannte ich einen Bogen und ein paar Pfeile aus Schilf mit Spitzen aus breit geschlagenen Nägeln.
Mit dem Bogen wollte mein Großvater mit mir jagen gehen. Selbstverständlich tat er das auch. Mit dem Rad fuhren wir durch den Schnee zu unserem Apfelhof. Mein Vater übte den Beruf des Obstbauern aus. Das waren noch Bäume, Hochstamm bis acht Meter, zwei Pflücker mussten sich sputen, um so einen Baum an einem halben Arbeitstag abzuernten. Auch gab es noch Spechthöhlen in den Bäumen und seitlich zogen sich Entwässerungsgräben mit gutem Fischbesatz entlang. Die Ufer stellten einen wunderbaren Wohnraum für Hasen, Fasane und Rehe dar. Geblieben ist davon heute nichts, gar nichts. Dafür essen wir jetzt alle schöne, gutaussehende, genormte und bis 24 mal gespritzte Äpfel…


Nun gut, wir schlichen also durch unseren Apfelhof. Die Lagerstellen der Rehe kannten wir. Es gelang sogar, auf Schußweite an die Tiere zu kommen. Aus dreißig Meter ließ mein Großvater einen Pfeil fliegen. Er traf sogar, ohne Schaden bei dem Tier anzurichten. Dann sagte mein Großvater, ich bekäme den Bogen, wenn ich ihm versprechen würde, nie auf ein Tier zu schießen. Ich hätte nun gesehen, das es die Tiere nur erschreckt. Ich gab ihm das Versprechen und habe es bis heute gehalten.


Großvater hatte schon immer seinen eigenen Kopf. Ich auch und einmal - ich spüre es heute noch - bekam ich eine Backpfeife, welche sich gewaschen hatte. Wir fischten im Boot mit Netzen. Großvater setzte einen Brassen zurück. Diese galten als schlechte Speisefische. Ich hatte mir eine Harpune gebastelt und warf nach dem Fisch, traf, holte meine Harpune aus dem Fisch und warf dann den Fisch in die Elbe. Im gleichen Moment knallte es in meinem Kopf. Das war die wohlverdiente Backpfeife. Ich bin absolut gegen schlagen, vor allem bei Kindern, doch die Backpfeife hatte ich verdient.


Am Ende des Apfelhofes standen als Windschutz riesige alte Bäume, sie sahen herrlich aus in ihrer Größe und Form. Mein Vater sagte mir, das seien Eschen. Ich liebte diese Bäume. Eines Tages hatte der Sturm einen von ihnen gefällt und den Stamm aufgesplittert. Immer wieder begegnete mir die Esche. Schlitten habe ich aus ihr gebaut und ein Regal. In einem unzugänglichen Waldstück hat jemand vor Jahren Eschen gepflanzt, neun Stück und im Kreis. Mein Leben lang zieht es mich dort hin und ich fühle die Bäume, stehe ich im Kreis.
Mein Vater berichtete mir von diesem Kreis und davon, dass er gerne in demselben stand und sich sehr wohl fühlte. Das war kurz vor seinem Tode. Wir waren so ziemlich unser Leben lang am selben Ort, ohne voneinander zu wissen. Es war gut, einen neuen Teil von unserem Leben zu erfahren.
Ich war fasziniert und diese Faszination hat mich mein Leben lang begleitet. So kam die erste Auswahl für meinen Bogen zustande: Esche. Heute sind die Riesen gefällt. Doch auf einem mir zur Verfügung stehen Land wachsen seit ein paar Jahren neue Eschen.
Ein alter Kirschbaum wurde gefällt, ich sah das Holz und verliebte mich in seine Maserung.
Mir begeneten die Hölzer immer wieder. Mal Schachfiguren aus Esche und Kirsche, dann ein Setzkasten.


Dann vergingen die Jahre, immer wieder ging mir Bogenschießen durch den Kopf. Eines Tages, ich war mittlerweile 55 Jahre alt, fiel mir ein Eschenstamm in die Hände. Mir kam der Gedanke, einen Bogen zu bauen. Das tat ich, machte mich so gut es ging schlau im Net und los ging es. Holmegard 172cm 48# auf 32“. Ich muss ein richtig gutes Stück Holz erwischt haben, denn der Pfeil flog - und das werdet ihr mir sicherlich nicht glauben, doch der Test wurde mehrmals, bei einigermaßen Windstille durchgeführt, auch unter Zeugen - zwischen 220 und 245 m. Aber das glaubt mir eh keiner. Leider ist der schon lange Brennhol, eines Tages ist er zerbrochen. Heute weiß ich, er war viel zu schmal mit 40mm und dann Holmegard, geht einfach nicht.
Ein paar weitere Bögen folgten, alle mit weit unter 200m Reichweite.


Dann fiel mir der rote Punkt von Daniel Schölz in die Hände. Eine Offenbarung. Es mußte ein Recurve her. Bin ganz zufrieden damit, jedoch ich werde nicht richtig warm mit ihm. Denke ihn evtl zu verkaufen.
Na ja, in einem Forum las ich dann ein paar Sätze von Daniel über Langbögen und den Verweis auf HJM. Ein Langbogen und ich? Dann, wie immer in meinem Leben, wenn eine grundlegende Entscheidung anstand, mein Impuls. Es ist so wie ein Ruck mit Lichteffekt, welcher dann durch meinen Körper geht. Ich habe mich mit Langbögen beschäftigt. Wie ich es auch anstellte, ich blieb bei HJM hängen. Als ich dann Esche und Kirsche in eurer Holzauswahl fand stand die Sache fest. Den Rest kennt ihr ja, ihr habt meine Mail bekommen …

 

So, das war wie ich zu eurem Bogen gekommen bin. Wie, das genügt nicht? Was fehlt denn noch? Ach so ja, …

 

Nun lag es gestern Abend vor mir, das Paket. Der Bogen nur noch durch Papier von mir getrennt. Er fühlt sich gut an, auch so. Ich löse das Papier und schiebe ein wenig, ein schwarzes Auge blickt mich an. Es wird warm in der Hand, als ich den Wurfarm berühre. Langsam ziehe ich den Bogen aus der Verpackung. Wow, sieht der gut aus, alles passt. So einen hab ich mir gewünscht und die Auswahl und Anordnung der Maserung ist traumhaft. Nun der Moment in dem ich den Griff fasse. Langsam umschließt meine Hand den Griff. Es passt, meine Hand und der Griff passen.
Leider kann ich wg. der Schulter immer noch keine Pfeile fliegen lassen. Auch mit der Pfeilfindung braucht es noch. Aber das wird schon.
Also vielen lieben Dank an euch für den wundervollen Bogen.

 

Viele Grüße
Werner

 

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